von von Dorit Zimmermann
•
1. September 2025
Hinter vielen körperlichen Symptomen verbirgt sich ein Kummer oder eine tiefe Traurigkeit. ((BU)) Differenzierung nach Reichen und Unterreichen Die Rubrik „Gemüt – Kummer, Trauer“ umfasst 149 Arzneien, die laut Prüfung oder klinischer Erfahrung einen mehr oder weniger deutlichen Bezug zu seelischem Schmerz haben. Das sind aber längst nicht alle Mittel, an die man bei einem „Kummerpatienten“ denken könnte oder müsste. Hilfreich sind hier weniger die allgemeinen Gemütsrubriken (1), sondern vielmehr ein differenzierter Blick auf die Individualität bzw. Besonderheit des betreffenden Patienten und die Kenntnis der Materia Medica auch „kleinerer“ Arzneien. Um die Auswahl der infrage kommenden Mittel sinnvoll eingrenzen zu können, hilft es, sich der Sensation-Methode Rajan Sankarans zu bedienen, welche allerdings ein jahreslanges Studium und viel Erfahrung erfordert. Hier eine kleine Auswahl weniger bekannter „Kummermittel“ aus unterschiedlichen Naturreichen. Viele Patienten kommen vordergründig wegen diverser, oft chronischer oder häufig wiederkehrender körperlicher Beschwerden in die homöopathische Praxis. Im Anamnesegespräch wird dann aber schnell klar, dass ein tiefer Kummer hinter dem physischen Leid steckt und dass dieser die eigentliche Pathologie darstellt: das zu Heilende. Die entsprechenden Gemütsrubriken wie „Kummer, Trauer“ oder „Beschwerden durch – Kummer“ sind sehr allgemein und schließen zahlreiche Mittel aus, die ich durchaus als „Kummerarzneien“ bezeichnen würde. In der umfassenden Rubrik „Gemüt – Kummer, Trauer“ fehlen beispielsweise sämtliche Lithium- und Beryllium-Verbindungen sowie die Lanthanide, die Muttermittel (siehe: comed Mai/2013) und die Schwäne. Das einzige enthaltene Milchmittel ist Lac-c., die Hundemilch. Ferner vermisse ich Mag-c., Mag-n., Aur-s., Hura, Elaps und Musca-d., um nur einige zu nennen. In der etwas kleineren Rubrik „Beschwerden durch Kummer“ mit 94 Mitteln, sind neben anderen auch Elaps und Hura aufgeführt. Rajan Sankaran warnt vor dem unkritischen Gebrauch von Gemütsrubriken, da diese, wie er sagt, „viel Spielraum für Interpretationen lassen“ (2) . Wichtig ist es daher, nach individuellen, eigentümlichen Symptomen zu suchen, die charakteristisch für den betreffenden Patienten, dessen Beschwerden und vor allem für dessen Reaktionsmuster sind, sprich für die Art und Weise, wie er sein Leid empfindet, wie er damit umgeht und wie er es in der Anamnese beschreibt. An dieser Stelle kann es sehr nützlich sein, neben der Klassischen Homöopathie, wie sie uns Samuel Hahnemann gelehrt hat, auf das Konzept der Sensation-Methode Sankarans zurückzugreifen, um der Individualität jedes einzelnen Patienten gerecht zu werden. Wer sich bei der Repertorisation von „Kummerpatienten“ zu sehr auf allgemeine Rubriken verlässt, der wird häufig bei den bewährten Polychresten wie Nat-m., Ign., Staph., Puls. oder Carc. landen und sich wundern, dass der gewünschte Heilerfolg ausbleibt. Die Sensation-Methode basiert auf der Klassischen Homöopathie Hahnemanns, hat diese aber um ein äußerst wertvolles Handwerkszeug erweitert: die Differenzierung nach Reichen und Unterreichen sowie einen komplexeren Umgang mit den Miasmen. Nach einer offenen Anamnese, bei der das Augenmerk neben den Fakten auf der Art und Weise liegt, wie sich der Patient ausdrückt, welche Worte und Handgesten er wählt und wie er sich dabei gibt, sprich wie lebendig oder zurückhaltend er agiert, folgt die Fallanalyse, wobei zunächst entschieden wird, aus welchem Naturreich das Arzneimittel stammen muss, das dem Patienten helfen soll. Wir unterscheiden hier im Wesentlichen zwischen Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Hinzu kommen noch Nosoden, Sarkoden und Imponderabilien. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich Empfindung und Ausdrucksweise der einzelnen Reiche gravierend voneinander unterscheiden. Ein „Pflanzenpatient“ ist extrem empfindlich auf Einflüsse, die von außen auf ihn einwirken, ein „Tierpatient“ dagegen ist geprägt von den Überlebensstrategien der Tierwelt. Hier geht es um das nackte Überleben: fressen oder gefressen werden, ich oder du. Einer ist der Täter, der andere das Opfer. Die Schuld wird in der Regel beim anderen gesucht. Mineralische Patienten wiederum empfinden einen Mangel an Fähigkeiten bei sich selbst, der sie daran hindert, ihren Alltag zu meistern. Sobald das Reich feststeht, geht es um die Wahl des Unterreiches: Bei den „Pflanzenpatienten“ wird ja nach Art der spezifischen Empfindung nach der passenden Pflanzenfamilie gesucht, für die es klare Kriterien gibt. Maßgeblich hierfür sind die Prüfungssymptome. Bei den „Tieren“ erfolgt die Differenzierung nach den in der Anamnese geäußerten Überlebensstrategien und Reaktionsmustern. Diese lassen sich einer bestimmten Tierfamilie zuordnen z.B. den Säugetieren, Mollusken, Vögeln oder Reptilien. Zur näheren Eingrenzung des passenden mineralischen Mittels, wobei häufig Mittelkombinationen (Salze) erforderlich sind, bedienen wir uns des Periodensystems bzw. dessen Interpretation nach Jan Scholten. Abschließend entscheiden Individualität und Besonderheit der Symptomatik, welches Mittel verordnet wird. Nach dieser kurzen, äußerst fragmentarischen Einführung in die Sensation-Methode dürfte klar geworden sein, auf welchem Wege die einzelnen „Kummermittel“ voneinander differenziert werden: Reich – Unterreich – Arzneimittel. Der Grund für diese spezielle Vorgehensweise liegt in der Erkenntnis, dass jeder Mensch eine Affinität zu einem bestimmten Naturreich hat. So ist es vorstellbar, dass drei verschiedene Patienten mit einer ganz ähnlichen Krankengeschichte in die Praxis kommen, wobei es jeweils um das Gefühl von Isolation, Einsamkeit, Missachtung und mangelnder Liebe geht. Alle drei leiden unter Schlafstörungen, depressiver Verstimmung und haben Verlangen nach Schokolade und salzigen Speisen. Dennoch empfindet und beschreibt der erste Patient seine Beschwerden „tierisch“, der zweite „pflanzlich“ und der dritte „mineralisch“. Wichtig ist, dass die Zuordnung nach einem Reich auf der tiefsten Ebene der Empfindung erfolgt, da gerade Erwachsene Anteile aus allen Reichen haben können, aber eben nur bis zu einer bestimmten Schicht. Sind wir mit der Anamnese an der Wurzel der Pathologie angekommen, kristallisiert sich ein bestimmtes Reich heraus. Gelingt es nicht, den Patienten während der Anamnese in die Vitalempfindung zu bekommen, was häufig geschieht, dann müssen wir offen sein für das, was der Patient uns liefert, wohin er uns führt. Ein auffallendes, einzigartiges Symptom, das wir so nicht erwartet hätten oder das wir bislang noch von keinem anderen Patienten gehört haben, kann uns ebenfalls auf die richtige Fährte bringen. Kummer – was ist das überhaupt? Aus Sicht der Psychologie versteht man unter Kummer Hoffnungs- und Hilflosigkeit. Weitere wichtige Empfindungen in diesem Zusammenhang sind seelischer Schmerz, Trauer, Traurigkeit, Enttäuschung, enttäuschte Liebe, ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation sowie die Empfindung, nicht wahrgenommen oder abgelehnt zu werden – wertlos zu sein. Mineralreich Die Zuordnung mineralischer Mittel zu den Reihen und Spalten des Periodensystems stammt von dem holländischen Chemiker und Homöopathen Jan Scholten. Er hat den einzelnen Reihen (Perioden) und Spalten (Stadien) bestimmte Themen zugewiesen, die mit der menschlichen Entwicklung zu tun haben, auf die sich auch Rajan Sankaran und seine Schule beziehen. Lithium carbonicum (Lithiumkarbonat), Lith-c. Lithium carbonicum ist die Kombination dreier Elemente der zweiten Reihe des Periodensystems (Kohlenstoff-Serie), die entwicklungsgeschichtlich der Geburt zugeordnet wird. Lithium steht ganz links, in der ersten Spalte, Carbon (der Kohlenstoff-Anteil) genau in der Mitte: in Stadium 10 (3) und Oxygenium (der Sauerstoff-Anteil) im 16. Stadium, also relativ weit rechts (direkt über Sulphur). Bei diesem Salz haben wir es folglich nur mit einem Themenkomplex zu tun: Trennung und Eigenständigkeit, welcher aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Lithium entspricht einem sehr primitiven Entwicklungsstadium: An eine mögliche Trennung (von der Mutter oder einer anderen Bezugsperson) ist noch gar nicht zu denken, sie ist unvorstellbar. Bei Carbon, in der Mitte der Reihe, ist sich der Patient bereits darüber im Klaren, dass die Geburt und damit die Trennung unmittelbar bevorstehen. Die entscheidende Frage dabei lautet: Werde ich es schaffen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, auf eigenen Füßen zu stehen? Oxygenium schließlich entspricht dem Zustand kurz nach der Entbindung, wenn das Baby die Enge des Geburtskanals bereits hinter sich gelassen hat und den ersten selbstständigen Atemzug tun muss: Das Kind ist geboren, hat die schützende Umgebung des Mutterleibs verlassen und muss nun allein zurechtkommen. Nicht nur homöopathisch, sondern auch allopathisch ist Lithiumkarbonat ein wichtiges Mittel zur Behandlung von Kummer und Traurigkeit, vor allem bei manisch-depressiven Erkrankungen. Im Falle psychogener Depressionen oder depressiver Traurigkeit im Rahmen einer Neurose ist die Behandlung mit Lithium dagegen wirkungslos. Rajan Sankaran beschreibt den Fall eines 51-jährigen Mannes, der phasenweise unter Depressionen mit Suizidgedanken litt. Seine Worte weisen eindeutig auf die linke Seite der zweiten Reihe hin: „Ich ziehe mich in meine Hülle zurück, möchte mich selbst vor der Welt verschließen.“ Immer wieder spricht der Patient davon, dass er sich der Welt nicht stellen, sich in eine schützende Hülle zurückziehen und am liebsten im Bett bleiben will: „fast wieder in den Mutterleib zurück“. Er sagt: „Ich gehe in eine Hülle, will niemanden treffen und mit niemand reden.“ (4) Die zentrale Empfindung dieses Patienten, der noch nicht im Leben angekommen ist, lautet: Ich möchte mich in eine schützende Hülle zurückziehen, um mich der feindlichen Welt nicht stellen zu müssen. Er fühlt sich den Anforderungen des täglichen Lebens nicht gewachsen, hält sich für unzulänglich. Seine Krankengeschichte begann, als er von seinen Eltern in ein Internat geschickt wurde. Dort hatte er das Gefühl, die häusliche Sicherheit eingebüßt zu haben. Seine Empfindung damals war es, die Behaglichkeit des Mutterleibs verloren zu haben und fortan allein existieren zu müssen. Ein weiterer Aspekt von Lithium carbonicum ist der niedrige bzw. schwankende Selbstwert. Aufgrund ihrer Unsicherheit halten sich Lithium-carbonicum-Patienten an das Bewährte: Neues und Unbekanntes ist ihnen suspekt. Alle Lithium-Verbindungen haben Furcht vor fremden Menschen, so auch Lithium carbonicum. Die Betroffenen brauchen Sicherheit und Verlässlichkeit, um ihre innere Unsicherheit zu kompensieren. Dabei können sie impulsiv und wankelmütig sein: Kommt ihnen eine Idee, muss diese sofort in die Tat umgesetzt werden. Stellt sich der gewünschte Erfolg jedoch nicht umgehend ein, dann wird die ganze Aktion abrupt eingestellt, und die Betroffenen verfallen in Lethargie. Charakteristisch bei diesem Arzneimittel ist der rasche Wechsel zwischen Arbeitswut und totaler Erschöpfung. Dabei sind die Betroffenen zwanghaft perfektionistisch. Sie glauben, ihren Selbstwert durch entsprechende Leistungen verbessern zu können bzw. zu müssen und stellen deshalb besonders hohe Ansprüche an sich. Auch haben sie das Verlangen, alles mehrfach zu kontrollieren. Ihr Selbstbild stimmt häufig nicht mit der Realität überein, was auf Dauer frustrierend für sie ist. Lithium-carbonicum-Menschen wirken kindlich und naiv, sie brauchen immer eine Bezugsperson, an der sie sich orientieren können. Ansonsten fühlen sie sich hilflos und verlassen. Oft haben sie das Gefühl, von Mutter oder Vater nicht anerkannt und geschätzt zu werden, bilden sich ein, sie könnten es ihnen nie recht machen und haben Angst, zu versagen. Der Kummer von Lithium-carbonicum-Patienten besteht in der Überzeugung, alleine nicht lebensfähig zu sein und immer eine andere Person zu brauchen, die sie durch den Alltag begleitet – ihnen die nötige basale Sicherheit gewährt. Das Mittel wurde erstmals 1879 von T.F. Allen geprüft, zuletzt 1995 unter der Leitung von Anne Schadde (5). Körperliche Symptome Ein herausragendes Symptom von Lithium carbonicum ist die rechtsseitige Hemianopsie mit einem kompletten Sehverlust der rechten Seite. Typisch ist auch der Seitenwechsel bei Schmerzen von rechts nach links oder umgekehrt. Allgemein hat das Mittel einen Bezug zu rheumatischen Beschwerden vor allem der kleinen Gelenke (Arthritis) sowie zu Augen- und Herzleiden. In der Regel geht es Lithium-carbonicum-Patienten nachts schlechter, Essen und Ausscheidungen tun ihnen dagegen gut. Lith-c. ist ein frostiges Mittel mit Empfindlichkeit auf kalte Luft. Es bestehen großer Durst auf kalte Getränke und ein Verlangen nach Kaffee und Tee sowie eine Abneigung gegen Bier. Der Genuss von Schokolade führt zu Durchfall und Übelkeit. Kaffee und Zwiebeln werden ebenfalls nicht vertragen. Pflanzenreich Hura brasilienis (Sandbüchsenbaum), Hura Hura brasiliensis oder auch Hura crepitans, der Sandbüchsenbaum, gehört zur Familie der Euphorbiaceen, der Wolfsmilchgewächse, für die das Thema „Anheften“ und „Zusammenschnüren“ besonders typisch ist. Menschen, deren Heilmittel aus dieser großen Pflanzenfamilie stammt, haben die Empfindung, angebunden oder festgehalten zu sein. Sie fühlen sich wie ein Häftling in der Zelle. Der Raum ist ihnen zu eng und zu klein. Sie können nichts tun, um sich aus dieser ausweglosen Situation zu befreien. Das Gefühl, von einem straff gespannten Band oder einer Kette fixiert zu sein, die ihnen keinen Bewegungsspielraum lassen, finden wir sowohl auf der körperlichen als auch auf der geistig-seelischen Ebene. So erleben sich die Betroffenen nicht nur physisch als vollkommen unbeweglich, sondern auch psychisch und mental: Sie sind unflexibel, starrköpfig und eigensinnig – verharren nahezu bewegungslos in ihrer „Zwangsjacke“. Dabei ist es ihr größtes Bedürfnis, sich loszureißen, der drangvollen Enge zu entfliehen, frei zu sein. Auch Kleidung und Hitze sind ihnen unerträglich. Die Türen müssen stets geöffnet bleiben. Ständige Bewegung tut gut, wobei es den Betroffenen zu Beginn der Bewegung erst einmal schlechter geht. Im kompensierten Zustand haben sie das Gefühl, frei und ungebunden zu sein. Trotz des begrenzten Raumes kommen sie gut zurecht. Sie verspüren mehr Bewegungsfreiheit bzw. es ist ihnen möglich, ihren Raum besser zu nutzen. Hura brasiliensis ist eines der ganz großen „Kummermittel“. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung sind bei dieser Arznei so extrem, dass Rajan Sankaran sie dem Lepra-Miasma (6) zugeordnet hat. „Ein Lepröser, ein Aussätziger, ist jemand, der durch einen unheilvollen Schicksalsschlag in die Lage gerät (als Aussätziger), dass seine Freunde sich von ihm abwenden. Sie hassen und verachten ihn, sie haben alle Sympathie verloren, er kann machen, was er will, er kann den Verlust durch nichts wettmachen, er kann nie mehr dahin zurück, wo er einmal war – einmal ein Lepröser, für immer ein Lepröser.“ (7) Genauso fühlt sich ein Mensch, dessen Heilmittel Hura brasiliensis ist: wie ein Aussätziger, der von seinen Liebsten verstoßen wurde, ohne Hoffnung, jemals wieder in deren Schoß aufgenommen zu werden – völlig allein und isoliert. Hura-Menschen leben in der Überzeugung, „vom Unglück verfolgt, ausgestoßen, gehasst, verachtet, ohne Hoffnung auf Genesung.“ (8) Wobei die zentrale Empfindung von Hura brasiliensis lautet: Ich bin dazu verdammt, auf ewig festgebunden zu sein. (9) Die Betroffenen können nichts tun, um sich aus ihrer hoffnungslosen Situation zu befreien. Gleichzeitig sind sie voller Schuldgefühle: Sie bilden sich ein, für das Unglück ihrer Mitmenschen verantwortlich zu sein und meinen, ohne sie ginge es diesen besser. Am Anfang der Pathologie von Hura brasiliensis steht oft eine ungewollte Schwangerschaft mit schlechtem Gewissen, Schuld- und Schamgefühlen. Die betroffenen Frauen schämen sich für ihren Zustand, geben sich selbst die Schuld für den „Fehltritt“, ziehen sich von der Gesellschaft zurück und versuchen, den sich rundenden Bauch so lange wie möglich zu verbergen, aus Angst von der Familie verachtet und verstoßen zu werden. Einen weiteren, ergänzenden Aspekt des Mittels beschreibt der französische Kinderarzt und Homöopath Didier Grandgeorge:„Hura ist eine Art Latex. Diese Personen erleben Liebe als eine Art elastische Kraft, ähnlich wie ein Gummiband. Je größer die Entfernung von dem geliebten Menschen, umso mehr werden sie versuchen, diese Person mit Gewalt anzuziehen. Wenn das Gummiband reißt, ist das katastrophal, und sie kommen nie darüber hinweg.“ (10) Während Hura-Persönlichkeiten ihre ausweglose Lage einerseits als Zwangsjacke empfinden, das Gefühl haben, in straffe Bänder gewickelt zu sein, versuchen sie andererseits, Menschen, die sie lieben und nicht verlieren wollen, durch ebensolche Bänder an sich zu binden. In ihrem Unglück und ihrer Verzweiflung können Hura-Menschen destruktiv und selbstzerstörerisch sein: Sie kauen Nägel, beißen sich und andere. Auch sind sie mitunter suizidgefährdet, da sie sich für minderwertig und verabscheuungswürdig halten, was ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Bezeichnenderweise träumen Hura-Menschen von Beerdigungen, Friedhöfen, Gräbern und verstümmelten Leichen mit abgetrennten Gliedmaßen. Körperliche Symptome Die physischen Beschwerden von Hura gehen häufig mit der Empfindung von Zusammenschnürung oder Zusammenziehen einher, z.B. im Bereich von Kopf, Hals, Brust oder Rektum. Ferner hat das Mittel Bezug zu rheumatischen Beschwerden und zu Hautausschlägen, die als ekelhaft oder ungut empfunden und daher sorgsam verborgen werden müssen, vergleichbar den leprösen Hauterscheinungen. Typisch ist ein Schwindel mit dem Gefühl, die Füßen würden den Boden nicht berühren, die Empfindung einer Kugel unter der linken Brust oder das Gefühl, eine Kugel rolle im Gehirn hin und her. Hura-Patienten sind sehr lärmempfindlich, zucken beim geringsten Geräusch zusammen oder zittern vor Schreck. Hitze und enge Kleidung vertragen sie schlecht.