Wo es kreucht und fleucht

von Dorit Zimmermann • 1. September 2025

Formica rufa, die Rote Waldameise, ist ein wichtiges Heilmittel bei rheumatischen Gelenkbeschwerden mit Besserung durch Wärme.

Homöopathisch werden Insektenmittel bislang vorwiegend akut verordnet. Seit Rajan Sankaran und der Empfindungsmethode wissen wir, dass sie auch als chronische Mittel ihre Berechtigung haben und neben der körperlichen auch eine tiefe seelische Wirkung entfalten, wenn sie angezeigt sind. Voraussetzung dafür ist eine individuelle, ganzheitliche Anamnese. Hilfreich ist zudem die Zuordnung nach Reichen und Unterreichen. Der folgende Artikel mag Ihnen einiges über die Qualitäten und Modalitäten eines Insektentyps verraten.

Insekten sind die artenreichste Klasse in der ganzen Tierwelt. Beinahe eine Million Insektenarten sind bislang wissenschaftlich beschrieben worden. Damit sind mehr als 60 Prozent aller bekannten Tierarten Insekten, auch Kerbtiere genannt. Es wird vermutet, dass es vor allem in den tropischen Regenwäldern noch Millionen unentdeckter Arten gibt. Fossil lassen sich Insekten zum ersten Mal vor rund 400 Millionen Jahren im Devon nachweisen. Taxonomisch gehören sie zu den Gliederfüßern (Arthopoda). Der Begriff „Insekt“ wurde im 18. Jahrhundert vom lateinischen Wort „insectum“ abgeleitet, was so viel heißt wie „eingeschnittenes (Tier)“ und sich auf die stark voneinander abgesetzten Körperteile der Krabbeltiere bezieht. Sie verfügen über ein Exoskelett – ein Außenskelett, das ihrem Organismus eine stabile äußere Struktur und Hülle verpasst. Die Bandbreite der Insekten reicht von winzigen Arten, die nur wenige Millimeter groß sind, bis hin zu 30 Zentimeter langen Stabheuschrecken. Systematiker sind sich uneins darüber, ob nur die geflügelten Tiere bzw. jene, die zumindest geflügelte Ahnen hatten, zu den Insekten zählen, oder auch flügellose Spezies.

Innerhalb der großen Gruppe der Insekten werden 27 Ordnungen gezählt, von denen 11 in der Materia Medica vertreten sind. Einige wie Apis, Coccus cacti, Cantharis, Formica rufa und Vespa sind gut geprüft. Zu den meisten Insektenmitteln liegen hingegen nur unzureichende Informationen vor. Interessanterweise werden Insekten homöopathisch in erster Linie bei akuten Beschwerden verordnet: Cantharis bei hochakuter Blasenentzündung mit brennenden Schmerzen, Apis zur Behandlung schmerzhafter Insektenstiche und Coccus cacti bei Keuchhusten. Als „Konstitutionsmittel“ werden die Insekten vor allem nach der Empfindungsmethode Rajan Sankarans verordnet. Welche Rolle sie dabei spielen und woran man einen Patienten erkennt, der ein Insektenmittel benötigt, davon handelt der vorliegende Artikel.

Der Insektentyp

Menschen, deren Heilmittel in der großen Gruppe der Insekten zu suchen ist, zeichnen sich durch ihre auffallende Ruhelosigkeit aus: Sie sind immer „busy“. Entsprechend ist das Hauptkennzeichen der Insektenmittel ihre Emsigkeit und Rastlosigkeit. Insekten-Menschen definieren sich über ihre tägliche Arbeit, in diese stecken sie ihre Energie und ihr Engagement. Dabei geht es weniger um Erfolg, Macht oder Anerkennung, sondern um die Tätigkeit an sich. Sie können nicht (aus)ruhen, sind immer geschäftig. Demzufolge geht es ihnen besser, wenn sie in Aktion sind. Bei ihrer jeweiligen Tätigkeit gehen sie in der Regel strukturiert und planvoll vor – Chaos ist nicht ihr Ding. Jedoch kann ihre Rastlosigkeit auch zu leerer Betriebsamkeit führen, die kein sichtbares Ergebnis hervorbringt, was zu Frustration führt. Insekten-Menschen leben nach dem Glaubenssatz, dass sie nur durch ihre Leistung wertgeschätzt werden, also nicht um ihrer selbst willen. Typischerweise erledigen sie ihre Arbeiten rasch, sie sind flink und agitiert. Zudem sind sie ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen – sie langweilen sich schnell, wenn sie über längere Zeit derselben Beschäftigung nachgehen müssen. Demzufolge zählen die allermeisten Insektenmittel zum tuberkulinischen Miasma, dessen Themen u. a. die Geschwindigkeit und der Wunsch nach Neuem sind.

Dieses permanente Zuviel an Aktivität führt zu körperlicher Erschöpfung, wobei der Geist wach und aktiv ist. Es ist, so schreibt Peter Fraser in seinem Buch über die Insekten in der Homöopathie, „als könne der Körper mit dem Geist nicht Schritt halten.“ (Peter Fraser, S. 13)

Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist ihr Ehrgeiz: Insekten-Menschen neigen dazu, ihre Leistungen mit denen anderer zu vergleichen – ein grundsätzlicher Hinweis auf das Tierreich.

Entsprechende Rubriken

G – Aktivität – Verlangen nach (160): Apis (2-w-), Canth., Form. (1-w.)
G – Angst – Familie, um seine (37): Apis, Form. (1-w.)
G – Ehrgeiz – erhöht, vermehrt, sehr ehrgeizig (70): Apis, Canth., Form., Vesp. (1-w.)
G – Ehrgeiz – erhöht, vermehrt, sehr ehrgeizig – Wettbewerb mit anderen, vergleicht sich mit ihnen; steht (22): Apis, Canth., Form., Vesp. (1-w.)
G – Eifersüchtig (87): Apis (2-w.)
G – Geschäftig, betriebsam (156): Apis (1-w.)
G – Ruhelosigkeit (699): Apis (2-w.), Canth., Coc-c., Form. , Vesp. (1-w.)
G – Ruhelosigkeit – Bewegen – muss sich ständig (42): Apis (2-w.)
Allg – Sexuelles Verlangen – Unterdrückung des sexuellen Verlangens (29): Apis (3-w.) 
Genitalien und Sexualität – vermehrt (27): Canth. (3-w.)

Insekten bringen massenhaft Nachkommen hervor, von denen die wenigsten überleben. Das unterscheidet sie von anderen Tierarten. Ihre Überlebensstrategie scheint auf Quantität, statt auf Qualität zu basieren, wie der italienische Homöopath Massimo Mangialavori in seinem Buch über die Insekten und Parasiten in der Homöopathie festhält. Er konstatiert eine starke Ichbezogenheit bei seinen Insekten-Patienten, die der Wesenheit der Insekten zu widersprechen scheint. Leben diese doch in größeren Verbänden oder Kolonien zusammen, bei denen jedes Mitglied seine spezifische Aufgabe zu erfüllen hat. Das eigene Interesse muss dem der Gruppe untergeordnet werden, was bei den Insekten-Patienten zu der Empfindung führt, zu kurz zu kommen. „Diese Menschen (die Insekten, Anm. d. Verf.) sind nur auf ihr `Ich´ fixiert; wer `Ich bin´ und `was Ich im Leben tun muss, um Erfolg zu haben´.“ (Massimo Mangialavori, S. 8) In der Rubrik „Gemüt – Ichbezogenheit, Selbstüberhebung“ ist allerdings kein Insektenmittel enthalten, auch nicht in vergleichbaren Rubriken. Da die Insekten keine homogene Gruppe sind, sondern sich durch ihre Unterschiedlichkeit auszeichnen, scheint mir das Thema der Egozentrik vor allem ein Parasiten-Thema zu sein. Diese gehen parasitäre oder symbiotische Beziehungen mit anderen Insekten, Pflanzen, Tieren oder Menschen ein wie Coccus cacti, die rote Schildlaus, oder Pulex irritans, der Menschenfloh. Doch dazu später.

Sexualität spielt eine große Rolle bei vielen Insektenmitteln, vor allem bei Apis, der Honigbiene, und Cantharis, der spanischen Fliege. Eifersucht ist ebenfalls ein Thema, in erster Linie bei Apis.

Neben ihrer Flugfähigkeit, die die meisten Insekten mit den Vögeln teilen, ist das herausragendste Merkmal dieser Tierklasse ihre Fähigkeit zur Transformation und Metamorphose. Nahezu alle Insekten machen eine Verwandlung vom flugunfähigen Larvenstadium zur flugfähigen Geschlechtsreife durch. Viele durchlaufen dabei ein Puppenstadium, bevor sie ihre endgültige adulte Form annehmen. Aussehen und Fressverhalten unterscheiden sich gravierend in den einzelnen Phasen: Während die Puppen und Larven einen schier unstillbaren Appetit an den Tag legen, sind die adulten Formen eher schlechte „Fresser“. Die Fähigkeit zur Verwandlung finden wir im Arzneimittelbild vor allem der Schmetterlingsmittel wieder, über die man einen eigenen Artikel schreiben könnte.

Schmetterlinge (Lepidoptera)

Schmetterlinge (Lepidoptera) Tagpfauenauge

Schmetterlinge sind noch nicht sehr bekannt in der Homöopathie. Inachis io, das Tagpfauenauge, ist ein Mittel für gesellige Menschen, die sich schnell bedroht fühlen, was eine große Unruhe in ihnen hervorruft. ((BU))

Körperlich sind Schmetterlings-Menschen eher feingliedrig und fragil. Probleme gibt es häufig im Bereich der Wirbelsäule. Sonne und Wärme verschlimmern, auch im Herbst sind die Beschwerden oft stärker. Trockenes Wetter wird in der Regel besser vertragen. Sie haben großes Verlangen nach Luft und Raum um sich herum. Typisch ist ein Verlangen nach süßen Speisen und Getränken. Sie lieben es zu tanzen, sind ständig in Bewegung und tragen bevorzugt leuchtende Farben. Außerdem haben sie die Neigung, ihre Arme schützend um den eigenen Leib zu schlingen. Die Art und Weise, wie sich diese grundsätzlichen Charakterzüge bei dem betreffenden Menschen äußern, variiert zwischen den einzelnen Schmetterlingsarten. Hier muss differenziert werden.

Quelle: Patricia Le Roux „Schmetterlinge in der Homöopathie“

Insekten-Menschen legen besonderen Wert darauf, angesehen, beachtet und anerkannt zu werden. Dies versuchen sie, wie bereits erörtert, durch ihre Arbeitsleistung zu erreichen, aber auch durch ihr Äußeres: Sie tragen gerne auffallende, farbenfrohe Kleidung, sind häufig eitel und geben viel Geld für ihre Garderobe aus. Auch den Haaren gilt ihre Aufmerksamkeit. Laut Peter Fraser weisen fast alle Insektenmittel entsprechende Symptome auf wie Haarausfall, Alopezie und Angst vor Kahlheit. Im Radar ist diese Symptomatik nur für Apis nachweisbar, es mögen aber durchaus Rückschlüsse auf die Insektenmittel im Allgemeinen erlaubt sein.

Entsprechende Rubriken

Kopf – Haare – Haarausfall (176): Apis, Vespa (1-w.), Canth., Form. (2-w.)
Kopf – Haare – Kahlköpfigkeit (31): Apis (2-w.)
Kopf – Haare – Kahlköpfigkeit – Flecken, in (21): Apis (2-w.)
Kopf – Haare – Haarausfall – Stellen, an kleinen (26): Apis (2-w.)

Wie bereits beschrieben nehmen Insekten im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene Erscheinungsformen an, wobei es auch um die geschlechtliche Identität geht. Zwar sind die meisten Insekten getrenntgeschlechtlich, es gibt jedoch auch einige Zwitter unter ihnen. So können Insekten-Menschen bisexuelle Neigungen aufweisen, was sie in heftige Verwirrung und innere Konflikte stürzt. Besonders ausgeprägt ist dies bei der Stubenfliege: Musca domestica. In der Rubrik „Gemüt – Verwirrung; geistige – Identität; in Bezug auf seine – sexuelle Identität“ ist die Stubenfliege als einziges Insekt enthalten.

Musca domestica (Stubenfliege)

Abfall, Schmutz und Unrat sind die Themen der gemeinen Stubenfliege: Das Weibchen legt seine Eier in faulenden Substanzen ab. Innerhalb von 12 Stunden schlüpfen die Maden, die sich nach einer knappen Woche verpuppen. Abhängig von der Umgebungstemperatur erreichen sie innerhalb von einigen Tagen oder Wochen ihre adulte Form. Während die Larven sich ausschließlich von toten und faulenden Substanzen ernähren, fressen die fertigen Stubenfliegen nicht – sie verdauen ihre Nahrung extern mit dem Speichel und saugen sie anschließend mit ihrem Rüssel auf. Da sie zwischen Nahrungsmitteln, Abfällen und Kot hin- und herfliegen, sind sie Überträger diverser Krankheiten, und daher nicht gern gesehen. Diese Affinität zu Unrat trat auch in der Arzneimittelprüfung von Musca domestica zutage. So brachten die Prüfer sich selbst mit Begriffen wie dreckig, schmutzig, vergammelt etc. in Verbindung. Der Musca-domestica-Patient hat das Gefühl, von anderen ausgenutzt zu werden, kann sich nicht dagegen wehren und glaubt, dass es seine Bestimmung ist, den Dreck anderer zu schlucken. Sexualität spielt, wie bereits erwähnt, eine große Rolle, wobei ihr etwas Perverses, Schmutziges anhaftet. Es besteht das starke Bedürfnis zu masturbieren. Die Verwirrung in Bezug auf die eigene sexuelle Identität ist bei Musca domestica auffallend stark ausgeprägt: Die Betroffenen fühlen sich hin- und hergerissen zwischen Homo- und Heterosexualität. Insgesamt sind Musca-Menschen eher furchtsam und ängstlich. Sie wirken unbeholfen, sind vergesslich, aber auch leicht reizbar. Besonders empfindlich reagieren sie auf schrille Töne.

Auf körperlicher Ebene ist vor allem eine Affinität zu Herpes zu nennen. Auch rheumatische Beschwerden gehören zum Wirkungsbereich dieses Mittels.

Quelle: Peter Fraser „Insekten in der Homöopathie“

Insgesamt gelten Insekten-Menschen als sehr sensibel, besonders was ihre Umgebung angeht. Ihre Sinne sind stets angespannt und gereizt.

Entsprechende Rubriken

G – Beschwerden durch – Erregung – Gemüts; des (102): Apis, Vespa (1-w.)
G – Reizbarkeit, Gereiztheit (644). Apis (3-w.), Canth. (2-w.), Coc-c., Form. (1-w.)
Schlaf – Schlaflosigkeit – Erregung, Aufregung agg. (77): Apis (2-w.), Canth. (1-w.)

Die Schmerzqualitäten der Insektenmittel sind brennend, stechend, scharf, schießend und in einigen Fällen auch zusammenschnürend (z. B. Coc-c.).

Insekten – eine große Gruppe

Die große Gruppe der unterschiedlichsten Insektenarten bietet einen schier unerschöpflichen Fundus für die Homöopathie. So gibt es homöopathische Mittel von Eintagsfliegen, Schmetterlingen, Libellen, Schaben, Schrecken, Läusen, Kerfen sowie Käfern, Flöhen, Zweiflüglern und Hautflüglern. Eine besonders interessante Gruppe sind die Parasiten. Mit ihnen hat sich der italienische Homöopath Massimo Mangialavori ausführlich beschäftigt. Die Rede ist von Läusen, Wanzen, Flöhen, Stechmücken und Blutegeln.

Die Parasiten aus Sicht der Homöopathie

Biologisch betrachtet handelt es sich bei den Parasiten um Organismen, die sich ganz oder zumindest teilweise durch andere Lebewesen ernähren. Daraus resultiert eine starke Abhängigkeit des Parasiten von seinem Wirt. Massimo Mangialavori schildert in seinem Buch „Insekten und Parasiten in der Homöopathie“ seine jahrelangen Erfahrungen mit Parasiten-Patienten. Als herausragende Eigenschaften nennt er Egoismus, Ehrgeiz, Wachsen, Gier, wechselnde Zustände, Photophobie, Hunger und Kälte. Die Prioritäten der Parasiten-Menschen, so Mangialavori, liegen stets dort, wo sie etwas für sich erreichen können. Materieller Reichtum und Geld ist ihnen äußerst wichtig, wobei sie in der Regel alles bekommen, was sie sich in den Kopf gesetzt haben. Sie sind eigenständig und brauchen den anderen nur, um ihre persönlichen Ziele zu verfolgen. Insgesamt zeichnen sich diese Menschen durch eine unglaubliche Gier aus. Diese bezieht sich sowohl auf materielle Güter als auch auf Nahrungsmittel: Parasiten müssen ständig „fressen“. Auf körperlicher Ebene resultieren daraus häufig Verdauungsbeschwerden.

Coccus cacti (Rote Schildlaus)

Wie viele Insekten, nimmt die Schildlaus die Eigenheiten ihrer Wirtspflanze an, in diesem Fall des Kaktus, von dem sie sich ernährt. Wir finden bei diesem Mittel das typischen Cactus-grandiflorus-Symptom: Herzbeschwerden als sei ein eisernes Band um die Brust gelegt. Das Mittel hat großen Bezug zu den Atmungsorganen, gehört wie die anderen Insekten auch, zum tuberkulinischen Miasma. Es ist angezeigt bei Keuchhusten und Husten allgemein mit zähem, fadenziehendem Schleim sowie bei Stimmverlust. Der Hals fühlt sich an, als sei er zusammengeschnürt, verbunden mit der Empfindung eines Fremdkörpers. Gemütssymptome sind zu diesem Mittel kaum bekannt. Mangialavori berichtet von Coc-c.-Fällen mit Patienten, die anders als die arbeitssamen Insekten wie Apis, Vespa, Cantharis oder Formica, eher träge, bequem und arbeitsscheu erscheinen. Ein Junge beispielsweise wurde von seinen Eltern als ausgesprochen faul beschrieben. Er hatte viele Tics, zum Beispiel musste er zwanghaft schlucken. Der Junge gab an, er hätte das Gefühl eines Fremdkörpers im Hals, außerdem verliere er häufig seine Stimme. Seine Eltern berichteten, er würde am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen, fernsehen und dabei Kekse oder Sahnetorte verschlingen. Interessanterweise erzählt der Junge, er wünsche sich später 14 Kinder, damit diese bei der Arbeit helfen könnten, während er zu Hause bleiben und lesen würde.

Quelle: Massimo Mangialavori, Insekten und Parasiten in der Homöopathie“

Literatur:

  • Fraser, P.: Insekten in der Homöopathie. Der Erde entfliehen. Narayana Verlag. Kandern, 2013
  • Le Roux, P.: Schmetterlinge in der Homöopathie. Narayana Verlag. Kandern, 2009
  • Mangialavori, M.: Insekten und Parasiten in der Homöopathie. Narayana Verlag. Kandern, 2009
  • Phatak, S. R.: homöopathische Arzneimittelbilder. Urban & Fischer. München, 2004
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Zimmermann, Dorit: Kummermittel in der Homöopathie. Haug Verlag. Stuttgart, 2015 Zimmermann, Dorit: Wege aus der Schmerzspirale - mvg Verlag Zimmermann, Dorit: Kindersprechstunde bei Doktor Natur: Mit heimischen Kräutern Kinderkrankheiten vorbeugen und behandeln | Knaur MensSana HC Zimmermann, Dorit: Frauen-Heilkräuter: Wohlfühlen, gesund bleiben und heilen mit der Kraft heimischer Pflanzen Br | Knaur MensSana HC
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Muttermittel in der Homöopathie Bei Menschen, die ein Muttermittel benötigen, liegt häufig eine Bindungsstörung in der frühen Kindheit vor, sodass sich das dringend erforderliche Urvertrauen in sich und das Leben nicht oder nur unzureichend ausbilden konnte. ((BU))
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Grenzen der Homöopathie Die Homöopathie stößt dort an ihre Grenzen, wo eine Regeneration nicht mehr möglich ist. Wenn eine Krankheit bereits so weit fortgeschritten ist, dass eine Heilung ausgeschlossen ist, kann auch die Homöopathie nur noch palliativ, sprich lindernd wirken. Dies erleben wir beispielsweise bei schweren zerstörerischen Krankheiten wie Krebs. Aber auch ein amputiertes Bein kann selbst mit dem bestgewählten homöopathischen Mittel nicht mehr nachwachsen. Diese Fälle, so tragisch sie im Einzelnen auch sein mögen, sind nicht typisch für die tägliche Praxis. Grenzen des Homöopathen Viel häufiger erleben wir den Fall, dass der Therapeut selbst an seine Grenzen stößt, was nicht immer mit mangelnder Erfahrung zu tun hat. Auch versierte Homöopathen mit langjähriger gutgehender Praxis kommen oft nicht weiter, finden das passende homöopathische Mittel nicht. Auch dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Grenzen des Patienten Der Patient und das, was er dem Therapeuten erzählt, sind der Schlüssel zum Simillimum, sprich zum passenden Arzneimittel, welches den entscheidenden Anstoß zur Heilung gibt. Und hier liegt die Verantwortung des Patienten: Je genauer er sich beobachtet, in sich hineinblickt und je treffender die Worte sind, die er für seine Beschwerden wählt, desto leichter fällt es dem Therapeuten, eine Beziehung zwischen dem Leiden des Patienten und einem bestimmten Arzneimittel herzustellen. Andersherum formuliert muss man leider sagen, wenn der Patient aus welchen Gründen auch immer, die entscheidenden Symptome und Empfindungen für sich behält, hat der Homöopath wenig Chancen, das richtige Mittel zu finden. Auch das ist ein Lernprozess – so wie der Homöopath sein Handwerkszeug erlernen muss, so muss auch der Patient erst allmählich lernen, sich genau zu beobachten, in sich hineinzuspüren und das Empfundene in passende Worte zu kleiden. So gesehen ist die Homöopathie ein Weg, den Patient und Therapeut gemeinsam gehen. Das Ziel heißt Verstehen und letztlich Heilung. Je schwerwiegender ein Leiden ist, desto länger mag der Weg sein. In jedem Fall sind aber Vertrauen und Geduld erforderlich sowie eine realistische Vorstellung davon, was mit der Homöopathie erreicht werden kann und in welchem Zeitraum. Möglichkeiten der Homöopathie Unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Sachverhalte sind die Möglichkeiten der Homöopathie grenzenlos. Jeder der bereits einschlägige Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht hat, wird dies bestätigen.
Porträt eines nachdenklichen, traurigen Mädchens
von von Dorit Zimmermann 1. September 2025
Hinter vielen körperlichen Symptomen verbirgt sich ein Kummer oder eine tiefe Traurigkeit. ((BU)) Differenzierung nach Reichen und Unterreichen Die Rubrik „Gemüt – Kummer, Trauer“ umfasst 149 Arzneien, die laut Prüfung oder klinischer Erfahrung einen mehr oder weniger deutlichen Bezug zu seelischem Schmerz haben. Das sind aber längst nicht alle Mittel, an die man bei einem „Kummerpatienten“ denken könnte oder müsste. Hilfreich sind hier weniger die allgemeinen Gemütsrubriken (1), sondern vielmehr ein differenzierter Blick auf die Individualität bzw. Besonderheit des betreffenden Patienten und die Kenntnis der Materia Medica auch „kleinerer“ Arzneien. Um die Auswahl der infrage kommenden Mittel sinnvoll eingrenzen zu können, hilft es, sich der Sensation-Methode Rajan Sankarans zu bedienen, welche allerdings ein jahreslanges Studium und viel Erfahrung erfordert. Hier eine kleine Auswahl weniger bekannter „Kummermittel“ aus unterschiedlichen Naturreichen. Viele Patienten kommen vordergründig wegen diverser, oft chronischer oder häufig wiederkehrender körperlicher Beschwerden in die homöopathische Praxis. Im Anamnesegespräch wird dann aber schnell klar, dass ein tiefer Kummer hinter dem physischen Leid steckt und dass dieser die eigentliche Pathologie darstellt: das zu Heilende. Die entsprechenden Gemütsrubriken wie „Kummer, Trauer“ oder „Beschwerden durch – Kummer“ sind sehr allgemein und schließen zahlreiche Mittel aus, die ich durchaus als „Kummerarzneien“ bezeichnen würde. In der umfassenden Rubrik „Gemüt – Kummer, Trauer“ fehlen beispielsweise sämtliche Lithium- und Beryllium-Verbindungen sowie die Lanthanide, die Muttermittel (siehe: comed Mai/2013) und die Schwäne. Das einzige enthaltene Milchmittel ist Lac-c., die Hundemilch. Ferner vermisse ich Mag-c., Mag-n., Aur-s., Hura, Elaps und Musca-d., um nur einige zu nennen. In der etwas kleineren Rubrik „Beschwerden durch Kummer“ mit 94 Mitteln, sind neben anderen auch Elaps und Hura aufgeführt. Rajan Sankaran warnt vor dem unkritischen Gebrauch von Gemütsrubriken, da diese, wie er sagt, „viel Spielraum für Interpretationen lassen“ (2) . Wichtig ist es daher, nach individuellen, eigentümlichen Symptomen zu suchen, die charakteristisch für den betreffenden Patienten, dessen Beschwerden und vor allem für dessen Reaktionsmuster sind, sprich für die Art und Weise, wie er sein Leid empfindet, wie er damit umgeht und wie er es in der Anamnese beschreibt. An dieser Stelle kann es sehr nützlich sein, neben der Klassischen Homöopathie, wie sie uns Samuel Hahnemann gelehrt hat, auf das Konzept der Sensation-Methode Sankarans zurückzugreifen, um der Individualität jedes einzelnen Patienten gerecht zu werden. Wer sich bei der Repertorisation von „Kummerpatienten“ zu sehr auf allgemeine Rubriken verlässt, der wird häufig bei den bewährten Polychresten wie Nat-m., Ign., Staph., Puls. oder Carc. landen und sich wundern, dass der gewünschte Heilerfolg ausbleibt. Die Sensation-Methode basiert auf der Klassischen Homöopathie Hahnemanns, hat diese aber um ein äußerst wertvolles Handwerkszeug erweitert: die Differenzierung nach Reichen und Unterreichen sowie einen komplexeren Umgang mit den Miasmen. Nach einer offenen Anamnese, bei der das Augenmerk neben den Fakten auf der Art und Weise liegt, wie sich der Patient ausdrückt, welche Worte und Handgesten er wählt und wie er sich dabei gibt, sprich wie lebendig oder zurückhaltend er agiert, folgt die Fallanalyse, wobei zunächst entschieden wird, aus welchem Naturreich das Arzneimittel stammen muss, das dem Patienten helfen soll. Wir unterscheiden hier im Wesentlichen zwischen Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Hinzu kommen noch Nosoden, Sarkoden und Imponderabilien. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich Empfindung und Ausdrucksweise der einzelnen Reiche gravierend voneinander unterscheiden. Ein „Pflanzenpatient“ ist extrem empfindlich auf Einflüsse, die von außen auf ihn einwirken, ein „Tierpatient“ dagegen ist geprägt von den Überlebensstrategien der Tierwelt. Hier geht es um das nackte Überleben: fressen oder gefressen werden, ich oder du. Einer ist der Täter, der andere das Opfer. Die Schuld wird in der Regel beim anderen gesucht. Mineralische Patienten wiederum empfinden einen Mangel an Fähigkeiten bei sich selbst, der sie daran hindert, ihren Alltag zu meistern. Sobald das Reich feststeht, geht es um die Wahl des Unterreiches: Bei den „Pflanzenpatienten“ wird ja nach Art der spezifischen Empfindung nach der passenden Pflanzenfamilie gesucht, für die es klare Kriterien gibt. Maßgeblich hierfür sind die Prüfungssymptome. Bei den „Tieren“ erfolgt die Differenzierung nach den in der Anamnese geäußerten Überlebensstrategien und Reaktionsmustern. Diese lassen sich einer bestimmten Tierfamilie zuordnen z.B. den Säugetieren, Mollusken, Vögeln oder Reptilien. Zur näheren Eingrenzung des passenden mineralischen Mittels, wobei häufig Mittelkombinationen (Salze) erforderlich sind, bedienen wir uns des Periodensystems bzw. dessen Interpretation nach Jan Scholten. Abschließend entscheiden Individualität und Besonderheit der Symptomatik, welches Mittel verordnet wird. Nach dieser kurzen, äußerst fragmentarischen Einführung in die Sensation-Methode dürfte klar geworden sein, auf welchem Wege die einzelnen „Kummermittel“ voneinander differenziert werden: Reich – Unterreich – Arzneimittel. Der Grund für diese spezielle Vorgehensweise liegt in der Erkenntnis, dass jeder Mensch eine Affinität zu einem bestimmten Naturreich hat. So ist es vorstellbar, dass drei verschiedene Patienten mit einer ganz ähnlichen Krankengeschichte in die Praxis kommen, wobei es jeweils um das Gefühl von Isolation, Einsamkeit, Missachtung und mangelnder Liebe geht. Alle drei leiden unter Schlafstörungen, depressiver Verstimmung und haben Verlangen nach Schokolade und salzigen Speisen. Dennoch empfindet und beschreibt der erste Patient seine Beschwerden „tierisch“, der zweite „pflanzlich“ und der dritte „mineralisch“. Wichtig ist, dass die Zuordnung nach einem Reich auf der tiefsten Ebene der Empfindung erfolgt, da gerade Erwachsene Anteile aus allen Reichen haben können, aber eben nur bis zu einer bestimmten Schicht. Sind wir mit der Anamnese an der Wurzel der Pathologie angekommen, kristallisiert sich ein bestimmtes Reich heraus. Gelingt es nicht, den Patienten während der Anamnese in die Vitalempfindung zu bekommen, was häufig geschieht, dann müssen wir offen sein für das, was der Patient uns liefert, wohin er uns führt. Ein auffallendes, einzigartiges Symptom, das wir so nicht erwartet hätten oder das wir bislang noch von keinem anderen Patienten gehört haben, kann uns ebenfalls auf die richtige Fährte bringen. Kummer – was ist das überhaupt? Aus Sicht der Psychologie versteht man unter Kummer Hoffnungs- und Hilflosigkeit. Weitere wichtige Empfindungen in diesem Zusammenhang sind seelischer Schmerz, Trauer, Traurigkeit, Enttäuschung, enttäuschte Liebe, ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation sowie die Empfindung, nicht wahrgenommen oder abgelehnt zu werden – wertlos zu sein. Mineralreich Die Zuordnung mineralischer Mittel zu den Reihen und Spalten des Periodensystems stammt von dem holländischen Chemiker und Homöopathen Jan Scholten. Er hat den einzelnen Reihen (Perioden) und Spalten (Stadien) bestimmte Themen zugewiesen, die mit der menschlichen Entwicklung zu tun haben, auf die sich auch Rajan Sankaran und seine Schule beziehen. Lithium carbonicum (Lithiumkarbonat), Lith-c. Lithium carbonicum ist die Kombination dreier Elemente der zweiten Reihe des Periodensystems (Kohlenstoff-Serie), die entwicklungsgeschichtlich der Geburt zugeordnet wird. Lithium steht ganz links, in der ersten Spalte, Carbon (der Kohlenstoff-Anteil) genau in der Mitte: in Stadium 10 (3) und Oxygenium (der Sauerstoff-Anteil) im 16. Stadium, also relativ weit rechts (direkt über Sulphur). Bei diesem Salz haben wir es folglich nur mit einem Themenkomplex zu tun: Trennung und Eigenständigkeit, welcher aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Lithium entspricht einem sehr primitiven Entwicklungsstadium: An eine mögliche Trennung (von der Mutter oder einer anderen Bezugsperson) ist noch gar nicht zu denken, sie ist unvorstellbar. Bei Carbon, in der Mitte der Reihe, ist sich der Patient bereits darüber im Klaren, dass die Geburt und damit die Trennung unmittelbar bevorstehen. Die entscheidende Frage dabei lautet: Werde ich es schaffen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, auf eigenen Füßen zu stehen? Oxygenium schließlich entspricht dem Zustand kurz nach der Entbindung, wenn das Baby die Enge des Geburtskanals bereits hinter sich gelassen hat und den ersten selbstständigen Atemzug tun muss: Das Kind ist geboren, hat die schützende Umgebung des Mutterleibs verlassen und muss nun allein zurechtkommen. Nicht nur homöopathisch, sondern auch allopathisch ist Lithiumkarbonat ein wichtiges Mittel zur Behandlung von Kummer und Traurigkeit, vor allem bei manisch-depressiven Erkrankungen. Im Falle psychogener Depressionen oder depressiver Traurigkeit im Rahmen einer Neurose ist die Behandlung mit Lithium dagegen wirkungslos. Rajan Sankaran beschreibt den Fall eines 51-jährigen Mannes, der phasenweise unter Depressionen mit Suizidgedanken litt. Seine Worte weisen eindeutig auf die linke Seite der zweiten Reihe hin: „Ich ziehe mich in meine Hülle zurück, möchte mich selbst vor der Welt verschließen.“ Immer wieder spricht der Patient davon, dass er sich der Welt nicht stellen, sich in eine schützende Hülle zurückziehen und am liebsten im Bett bleiben will: „fast wieder in den Mutterleib zurück“. Er sagt: „Ich gehe in eine Hülle, will niemanden treffen und mit niemand reden.“ (4) Die zentrale Empfindung dieses Patienten, der noch nicht im Leben angekommen ist, lautet: Ich möchte mich in eine schützende Hülle zurückziehen, um mich der feindlichen Welt nicht stellen zu müssen. Er fühlt sich den Anforderungen des täglichen Lebens nicht gewachsen, hält sich für unzulänglich. Seine Krankengeschichte begann, als er von seinen Eltern in ein Internat geschickt wurde. Dort hatte er das Gefühl, die häusliche Sicherheit eingebüßt zu haben. Seine Empfindung damals war es, die Behaglichkeit des Mutterleibs verloren zu haben und fortan allein existieren zu müssen. Ein weiterer Aspekt von Lithium carbonicum ist der niedrige bzw. schwankende Selbstwert. Aufgrund ihrer Unsicherheit halten sich Lithium-carbonicum-Patienten an das Bewährte: Neues und Unbekanntes ist ihnen suspekt. Alle Lithium-Verbindungen haben Furcht vor fremden Menschen, so auch Lithium carbonicum. Die Betroffenen brauchen Sicherheit und Verlässlichkeit, um ihre innere Unsicherheit zu kompensieren. Dabei können sie impulsiv und wankelmütig sein: Kommt ihnen eine Idee, muss diese sofort in die Tat umgesetzt werden. Stellt sich der gewünschte Erfolg jedoch nicht umgehend ein, dann wird die ganze Aktion abrupt eingestellt, und die Betroffenen verfallen in Lethargie. Charakteristisch bei diesem Arzneimittel ist der rasche Wechsel zwischen Arbeitswut und totaler Erschöpfung. Dabei sind die Betroffenen zwanghaft perfektionistisch. Sie glauben, ihren Selbstwert durch entsprechende Leistungen verbessern zu können bzw. zu müssen und stellen deshalb besonders hohe Ansprüche an sich. Auch haben sie das Verlangen, alles mehrfach zu kontrollieren. Ihr Selbstbild stimmt häufig nicht mit der Realität überein, was auf Dauer frustrierend für sie ist. Lithium-carbonicum-Menschen wirken kindlich und naiv, sie brauchen immer eine Bezugsperson, an der sie sich orientieren können. Ansonsten fühlen sie sich hilflos und verlassen. Oft haben sie das Gefühl, von Mutter oder Vater nicht anerkannt und geschätzt zu werden, bilden sich ein, sie könnten es ihnen nie recht machen und haben Angst, zu versagen. Der Kummer von Lithium-carbonicum-Patienten besteht in der Überzeugung, alleine nicht lebensfähig zu sein und immer eine andere Person zu brauchen, die sie durch den Alltag begleitet – ihnen die nötige basale Sicherheit gewährt. Das Mittel wurde erstmals 1879 von T.F. Allen geprüft, zuletzt 1995 unter der Leitung von Anne Schadde (5). Körperliche Symptome Ein herausragendes Symptom von Lithium carbonicum ist die rechtsseitige Hemianopsie mit einem kompletten Sehverlust der rechten Seite. Typisch ist auch der Seitenwechsel bei Schmerzen von rechts nach links oder umgekehrt. Allgemein hat das Mittel einen Bezug zu rheumatischen Beschwerden vor allem der kleinen Gelenke (Arthritis) sowie zu Augen- und Herzleiden. In der Regel geht es Lithium-carbonicum-Patienten nachts schlechter, Essen und Ausscheidungen tun ihnen dagegen gut. Lith-c. ist ein frostiges Mittel mit Empfindlichkeit auf kalte Luft. Es bestehen großer Durst auf kalte Getränke und ein Verlangen nach Kaffee und Tee sowie eine Abneigung gegen Bier. Der Genuss von Schokolade führt zu Durchfall und Übelkeit. Kaffee und Zwiebeln werden ebenfalls nicht vertragen. Pflanzenreich Hura brasilienis (Sandbüchsenbaum), Hura Hura brasiliensis oder auch Hura crepitans, der Sandbüchsenbaum, gehört zur Familie der Euphorbiaceen, der Wolfsmilchgewächse, für die das Thema „Anheften“ und „Zusammenschnüren“ besonders typisch ist. Menschen, deren Heilmittel aus dieser großen Pflanzenfamilie stammt, haben die Empfindung, angebunden oder festgehalten zu sein. Sie fühlen sich wie ein Häftling in der Zelle. Der Raum ist ihnen zu eng und zu klein. Sie können nichts tun, um sich aus dieser ausweglosen Situation zu befreien. Das Gefühl, von einem straff gespannten Band oder einer Kette fixiert zu sein, die ihnen keinen Bewegungsspielraum lassen, finden wir sowohl auf der körperlichen als auch auf der geistig-seelischen Ebene. So erleben sich die Betroffenen nicht nur physisch als vollkommen unbeweglich, sondern auch psychisch und mental: Sie sind unflexibel, starrköpfig und eigensinnig – verharren nahezu bewegungslos in ihrer „Zwangsjacke“. Dabei ist es ihr größtes Bedürfnis, sich loszureißen, der drangvollen Enge zu entfliehen, frei zu sein. Auch Kleidung und Hitze sind ihnen unerträglich. Die Türen müssen stets geöffnet bleiben. Ständige Bewegung tut gut, wobei es den Betroffenen zu Beginn der Bewegung erst einmal schlechter geht. Im kompensierten Zustand haben sie das Gefühl, frei und ungebunden zu sein. Trotz des begrenzten Raumes kommen sie gut zurecht. Sie verspüren mehr Bewegungsfreiheit bzw. es ist ihnen möglich, ihren Raum besser zu nutzen. Hura brasiliensis ist eines der ganz großen „Kummermittel“. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung sind bei dieser Arznei so extrem, dass Rajan Sankaran sie dem Lepra-Miasma (6) zugeordnet hat. „Ein Lepröser, ein Aussätziger, ist jemand, der durch einen unheilvollen Schicksalsschlag in die Lage gerät (als Aussätziger), dass seine Freunde sich von ihm abwenden. Sie hassen und verachten ihn, sie haben alle Sympathie verloren, er kann machen, was er will, er kann den Verlust durch nichts wettmachen, er kann nie mehr dahin zurück, wo er einmal war – einmal ein Lepröser, für immer ein Lepröser.“ (7) Genauso fühlt sich ein Mensch, dessen Heilmittel Hura brasiliensis ist: wie ein Aussätziger, der von seinen Liebsten verstoßen wurde, ohne Hoffnung, jemals wieder in deren Schoß aufgenommen zu werden – völlig allein und isoliert. Hura-Menschen leben in der Überzeugung, „vom Unglück verfolgt, ausgestoßen, gehasst, verachtet, ohne Hoffnung auf Genesung.“ (8) Wobei die zentrale Empfindung von Hura brasiliensis lautet: Ich bin dazu verdammt, auf ewig festgebunden zu sein. (9) Die Betroffenen können nichts tun, um sich aus ihrer hoffnungslosen Situation zu befreien. Gleichzeitig sind sie voller Schuldgefühle: Sie bilden sich ein, für das Unglück ihrer Mitmenschen verantwortlich zu sein und meinen, ohne sie ginge es diesen besser. Am Anfang der Pathologie von Hura brasiliensis steht oft eine ungewollte Schwangerschaft mit schlechtem Gewissen, Schuld- und Schamgefühlen. Die betroffenen Frauen schämen sich für ihren Zustand, geben sich selbst die Schuld für den „Fehltritt“, ziehen sich von der Gesellschaft zurück und versuchen, den sich rundenden Bauch so lange wie möglich zu verbergen, aus Angst von der Familie verachtet und verstoßen zu werden. Einen weiteren, ergänzenden Aspekt des Mittels beschreibt der französische Kinderarzt und Homöopath Didier Grandgeorge:„Hura ist eine Art Latex. Diese Personen erleben Liebe als eine Art elastische Kraft, ähnlich wie ein Gummiband. Je größer die Entfernung von dem geliebten Menschen, umso mehr werden sie versuchen, diese Person mit Gewalt anzuziehen. Wenn das Gummiband reißt, ist das katastrophal, und sie kommen nie darüber hinweg.“ (10) Während Hura-Persönlichkeiten ihre ausweglose Lage einerseits als Zwangsjacke empfinden, das Gefühl haben, in straffe Bänder gewickelt zu sein, versuchen sie andererseits, Menschen, die sie lieben und nicht verlieren wollen, durch ebensolche Bänder an sich zu binden. In ihrem Unglück und ihrer Verzweiflung können Hura-Menschen destruktiv und selbstzerstörerisch sein: Sie kauen Nägel, beißen sich und andere. Auch sind sie mitunter suizidgefährdet, da sie sich für minderwertig und verabscheuungswürdig halten, was ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Bezeichnenderweise träumen Hura-Menschen von Beerdigungen, Friedhöfen, Gräbern und verstümmelten Leichen mit abgetrennten Gliedmaßen. Körperliche Symptome Die physischen Beschwerden von Hura gehen häufig mit der Empfindung von Zusammenschnürung oder Zusammenziehen einher, z.B. im Bereich von Kopf, Hals, Brust oder Rektum. Ferner hat das Mittel Bezug zu rheumatischen Beschwerden und zu Hautausschlägen, die als ekelhaft oder ungut empfunden und daher sorgsam verborgen werden müssen, vergleichbar den leprösen Hauterscheinungen. Typisch ist ein Schwindel mit dem Gefühl, die Füßen würden den Boden nicht berühren, die Empfindung einer Kugel unter der linken Brust oder das Gefühl, eine Kugel rolle im Gehirn hin und her. Hura-Patienten sind sehr lärmempfindlich, zucken beim geringsten Geräusch zusammen oder zittern vor Schreck. Hitze und enge Kleidung vertragen sie schlecht.
Haufen Salz
von von Dorit Zimmermann 1. September 2025
Eines der ganz großen Homöopathika ist das potenzierte Kochsalz, Natrium muriaticum, eine häufig verordnete Arznei bei tiefem Kummer ohne Tränen. ((BU)) Wenn zwei gegensätzlich geladene chemische Elemente eine Verbindung miteinander eingehen, spricht man von einem Salz (Salz, Sal: heteropolare, anorganische oder organische chemische Verbindung mit einem aus Kationen und Anionen bestehenden Kristallgitter). Nicht immer herrscht Harmonie zwischen beiden Polen, mitunter sind diese Vereinigungen spannungsgeladen und explosiv. Und doch arrangiert man sich, wächst zusammen und bildet eine neue Einheit. So empfinden auch die Menschen, deren Heilmittel ein Salz ist – zwei Seelen wohnen in ihrer Brust und sorgen dort für innere Konflikte, Verwirrung, Unentschlossenheit und Unausgeglichenheit, je nachdem wie gegensätzlich die Partner sind. Doch stets handelt es sich um tiefwirkende Arzneimittel, ideal für chronische oder seelische Beschwerden. Salze sind Ionenverbindungen, sie entstehen durch Abgabe und Aufnahme von Elektronen. Das Elektronen abgebende Element weist eine positive Ladung auf (+), man nennt es Anion, das Elektronen aufnehmende Element verfügt über eine negative Ladung (-) und wird Kation genannt. Wenn man das Periodensystem betrachtet, stellt man fest, dass Salze sich aus Elementen der linken Seite des Periodensystems und denen der rechten Seite zusammensetzen, häufig sogar rechts und links der Mitte. Bekannte Beispiele sind Natrium muriaticum oder Magnesium phosphoricum. Die Gegensätzlichkeit beider Partner spiegelt sich auch im Wesen der Menschen wider, die ein Salz als Heilmittel benötigen. Die meisten Salze, mit Ausnahme der Halogensalze (Kombinationen mit Fluor, Chlor, Brom, Iod etc.) enthalten zusätzlich noch Sauerstoff (Oxygenium), bestehen also aus drei Elementen. In diesem Fall müssen die charakteristischen Symptome von Oxygenium bei dem betreffenden Menschen ebenfalls erkennbar sein. Charakteristische Symptome von Oxygenium Alles selbst tun wollen Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit Mangelndes Selbstwertgefühl Gefühl, die eigenen Leistungen würden nicht ausreichend gewürdigt Braucht viel Raum zum Atmen Die Homöopathie und das Periodensystem Chemische Verbindungen haben immer acht Elektronen auf der Außenschale, das heißt, ein Element, das sechs Elektronen auf der Außenschale aufweist, sucht sich einen Salz-Partner mit zwei Außenelektronen, um die erforderlichen acht zu erreichen. Wenn man sich bei dem Verständnis der Salze und ihrer Elemente auf das Periodensystem und dessen Interpretation von Jan Scholten (niederländischer Homöopath, der sich intensiv mit dem Periodensystem und dessen Bedeutung für die Homöopathie beschäftigt hat) bezieht, so hat man acht Reihen (Serien) und 18 Spalten (Stadien) mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen und Themen, an denen man sich orientieren kann. Etwas vereinfacht formuliert, durchlaufen die Reihen die einzelnen Lebensabschnitte, wobei die Wasserstoff-Serie (erste Reihe) dem Leben im Mutterleib entspricht und die Uranium-Serie (siebte Reihe) dem hohen Alter. Bei den Spalten erkennt man eine Entwicklung von links nach rechts – immer in Bezug auf das Thema der Reihe. Ganz links fängt die Entwicklung gerade an, in der Mitte ist der Höhepunkt erreicht und ganz rechts ist der Verlust des einmal Erreichten schon weit fortgeschritten. Die Themen der einzelnen Reihen Erste Reihe (Wasserstoff-Serie): Empfängnis und Existenz, Frage: Bin ich oder bin ich nicht? Zweite Reihe (Kohlenstoff-Serie): Geburtsprozess, Trennung, Frage: Bin ich ein Teil von etwas/jemandem oder bin ich getrennt? Dritte Reihe (Silicium-Serie): Identität und Versorgung, Frage: Wer bin ich? Vierte Reihe (Eisen-Serie): Sicherheit und tägliche Aufgaben, Routine Fünfte Reihe (Silber-Serie): Kreativität und Leistung, Neues erschaffen Sechste Reihe (Gold-Serie): Verantwortung für andere, Macht und Herrschaft Siebte Reihe (Uranium-Serie): Pflicht und Verantwortung bis zur eigenen Zerstörung Die linke Seite des Periodensystems Die Elemente auf der linken Seite des Periodensystems haben nur ein oder zwei Elektronen auf ihrer Außenschale, sie sind von dem Ziel, acht Elektronen zu erreichen, noch sehr weit entfernt – je weiter links desto mehr. Übertragen auf die Empfindung der Menschen, die ein Mineral als homöopathisches Arzneimittel verordnet bekommen, bedeutet das: Sie haben das Gefühl, auf ihrem Weg noch ganz am Anfang zu stehen, noch keine wesentlichen Fortschritte bezüglich der Thematik ihrer Reihe (siehe oben) gemacht zu haben. Menschen, die ein Element aus den ersten beiden Spalten brauchen (wie Hydrogenium, Lithium, Natrium, Magnesium, Kalium, Calcium oder Barium), lassen in ihrem Verhalten und in ihrer Bewältigungsstrategie eine mehr oder weniger große Abhängigkeit von anderen Personen erkennen. Je weniger Außenelektronen das jeweilige Element besitzt, das sie benötigen, desto ausgeprägter ist das Gefühl eines Mangels auf diesem Gebiet. Sie fühlen sich nicht in der Lage, die Thematik ihrer Reihe ohne fremde Hilfe bewältigen zu können. Die rechte Seite des Periodensystems Bei den Elementen rechts der Mitte ist der Zenit bereits überschritten. Ab vier Außenelektronen besteht das Gefühl, etwas aus eigener Kraft erreicht zu haben, nicht auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Je weiter rechts das Element steht, desto mehr wächst die Furcht, das bereits Erreichte wieder zu verlieren. Dazu zählen Phosphorus, Sulphur, Arsenicum, Argentum, Aurum und Plumbum, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit zunehmender Elektronenzahl und Atommasse nimmt die Anziehungskraft zu, mit welcher die Elektronen zum Kern gezogen werden. Je mehr Elektronen ein Atom auf der Außenschale hat, umso dichter wird es. Insofern stellt der Handel zwischen den beiden Elementen nicht unbedingt ein faires Geschäft dar: Der Partner, der weniger zu geben hat (links der Mitte), ist nicht so geizig wie der, der seine Schale fast voll hat (rechts der Mitte). Letzterer wird alles daransetzen, seine erarbeiteten Besitztümer für sich zu behalten und zu mehren. Insofern sind die Elemente auf der linken Seite auf die Almosen und die Unterstützung der Elemente auf der rechten Seite angewiesen, welche sich schwer tun, zu geben. Für sie ist es viel leichter, noch etwas mehr zu nehmen, als all das herzugeben, was sie sich bereits gesichert haben. Wir sehen das am Grad des Besitzdenkens und der Ausbildung des Egos rechts der Mitte. Dort ist das Bewusstsein für die eigene Identität wesentlich stärker ausgeprägt, was deutlich wird, wenn wir uns die Arzneimittelbilder von Phosphorus oder Sulphur anschauen, um zwei prominente Beispiele zu nennen. Wann ist ein Mineral ein Salz? Das Ziel der Salze ist Stabilität, die sie durch die Verbindung mit einem passenden Partner erwerben – kein Problem für die linke Seite, denn sie hat nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen – allerdings um den Preis der Abhängigkeit. Die rechte Seite hingegen muss das Erreichte teilen, was als beengend empfunden wird. Wie bereits erwähnt, bestehen Salze aus mindestens zwei Elementen, wobei das eine auf der linken Seite des Periodensystems angesiedelt ist, das andere auf der rechten, wobei die Abstände nicht immer so groß sein müssen wie bei Natrium muriaticum (siehe Aurum arsenicosum). Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder stammen beide Partner aus derselben Reihe oder aus zwei unterschiedlichen Reihen. Im ersten Fall steht der betreffende Mensch unter dem Einfluss der Thematik einer einzigen Reihe, er hat folglich bezüglich des gleichen Themas eine unterentwickelte abhängige und eine weiter entwickelte unabhängigere Seite in sich, was sich durch widersprüchliches oder wechselhaftes Verhalten äußert bzw. durch zwei unterschiedliche Bewältigungsmechanismen. Typische Beispiele dieser Kombination wären Natrium muriaticum, Magnesium phosphoricum oder Calcium arsenicosum. Im letzteren Fall werden Empfindung und Reaktionsmuster von zwei verschiedenen Reihen beeinflusst, dazu zählen Mittel wie Barium carbonicum, Beryllium muriaticum oder Kalium sulphuricum. Der indische Homöopath Rajan Sankaran sagt dazu, ein Salz sei nur dann indiziert, „wenn wir sehen, dass auf der Empfindungsebene die Merkmale des einen Elements immer von denen des anderen Elements begleitet werden“ (1). Es handelt sich folglich nicht um ein Nebeneinander von Symptomen, sondern um eine Verquickung: Aus den beiden Ausgangssubstanzen entsteht eine neue Einheit, die der Individualität des jeweiligen Menschen entspricht. Beispiele aus der Welt der Salze Natrium muriaticum Bei dem bekannten homöopathischen Mittel Natrium muriaticum (Kochsalz) handelt es sich um die Vereinigung zweier Elemente aus der dritten Reihe des Periodensystems. Natrium steht ganz links, Muriaticum, auch Chlorum genannt, in der 17. Spalte, also fast ganz rechts. Bei dem betreffenden Menschen geht es um die Themen: Identität (Wer bin ich? Wie sehen mich die anderen?), Versorgung, Familie und Beziehung (ich und die anderen). Durch den Natrium-Anteil ist das Bewusstsein für die eigene Identität noch nicht entwickelt. Der Betreffende ist komplett abhängig von einer Bezugsperson (Mutter, Vater, Partner), er traut sich nicht zu, allein durchs Leben zu gehen. Es besteht ein großes Bedürfnis nach Liebe und Fürsorge. Auch das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit ist noch nicht vorhanden, typisch sind Fragen wie „Was soll ich wählen?“ „Wie soll ich mich entscheiden?“ „Was soll ich sagen?“. Insofern besteht eine immense Abhängigkeit vom Partner, ohne den sich der Betreffende völlig hilflos fühlt – seiner Identität beraubt. Auch sind die Erwartungen an den Partner vergleichbar denen, die an die Mutter gestellt werden: Er soll bedingungslos lieben, jeden Wunsch von den Augen ablesen etc. Der Muriaticum-Anteil führt dazu, dass die unvermeidliche Enttäuschung im Sinne eines Betrugs erfahren wird. Laut Rajan Sankaran empfindet der Nat-m.-Mensch folgendermaßen: “Ich werde von der Person, der ich vertraue, von der ich abhängig bin und die ich liebe, im Stich gelassen, verraten oder enttäuscht.“ (1) Durch das Element auf der rechten Seite des Periodensystems wird der Verlust oder die Angst vor dem vermeintlichen Verlust desjenigen Menschen, von dem eine überstarke Abhängigkeit besteht (linke Seite) als besonders schmerzlich erlebt. Auf der anderen Seite besteht das Verlangen, diese Abhängigkeit abzustreifen, ihr zu entfliehen. Das Anion zeigt hier die Bedürftigkeit an, das Kation (in dem Fall ein Halogen) den Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit. Menschen, die Nat-m. als konstitutionelles homöopathisches Mittel benötigen, befinden sich ständig in diesem polaren inneren Konflikt: einerseits abhängig und bedürftig, andererseits getrieben von dem Verlangen, frei und unabhängig zu sein. Kalium carbonicum Bei Kalium carbonicum (Pottasche) handelt es sich um ein Salz, das aus zwei Elementen unterschiedlicher Reihen besteht: der zweiten und der vierten Reihe. Hier sind folglich zwei verschiedene Themen miteinander verwoben. Kalium befindet sich wie Natrium in der ersten Spalte, weist folglich eine ebenso große Abhängigkeit auf, allerdings in Bezug auf ein anderes Thema, denn es steht in der vierten Reihe. Hier geht es um die tägliche Arbeit, um Pflicht und Ordnung sowie um die notwendige Routine bei der Ausübung der beruflichen oder schulischen Tätigkeit. Der Betreffende weiß um seine Identität, kann auch selbst für sich sorgen, verspürt aber eine sehr starke Bindung zur Familie, sodass sich das ganze Leben – alles Sinnen und Trachten – um die eigene Sippe dreht. Im Gegensatz zu Natrium ist es hier nicht die einzelne Bezugsperson, die wie eine Mutter vereinnahmt wird, sondern die Gruppe – der Familienverband. Der Hintergrund: Der Betreffende hat Angst, allein zu sein. Das Aufstellen fester Regeln und Gesetze, an die sich alle Familienangehörigen zu halten haben, schafft die Sicherheit, die der Kalium-Mensch zum Überleben braucht. Carbonicum (Kohlenstoff) steht in der zweiten Reihe relativ in der Mitte. Hier geht es um den Geburtsprozess, um die Trennung von der Mutter. Der Betreffende weiß, dass er sich trennen muss, dass er den „schützenden Mutterleib“ verlassen muss, aber er traut es sich nicht zu, kann keine Trennung ertragen. An dieser Stelle wird deutlich, wie nahtlos diese beiden unterschiedlichen Elemente ineinandergreifen und sich gegenseitigen beeinflussen: Der Carbon-Anteil beinhaltet die Angst und Unfähigkeit, sich zu trennen und der Kalium-Anteil den Bezug zur Familie. Hier besteht also die Urangst, von der Sippe getrennt zu werden und auf sich selbst gestellt zu sein. Aurum arsenicosum Aurum (Gold) befindet sich an der Schnittstelle von sechster Reihe und 11. Spalte, also jenseits der Mitte. In Reihe sechs geht es um Verantwortung und Macht. Die 11. Spalte zeigt an, dass der Höhepunkt des Erreichbaren bereits überschritten ist und der Betreffende im Begriff ist, die Machtposition, die er sich erarbeitet hat, Stück für Stück zu verlieren. Da sich der Aurum-Mensch aber über seine Position und Verantwortung definiert, stürzt ihn deren drohender Verlust in tiefste Abgründe – ein Leben scheint dann nicht mehr vorstellbar. Mit Arsenicum hat das Schwermetall einen Partner aus der vierten (Arbeiter-) Reihe, wobei Arsen noch weiter rechts angesiedelt ist: in der 15. Spalte. Der Verlust ist schon recht weit fortgeschritten und man kann nichts dagegen tun. Konkret geht es um die Furcht vor dem Verlust materieller Sicherheit und des Arbeitsplatzes. Der Betreffende versucht verzweifelt, das einmal Erreichte festzuhalten, aber es gelingt ihm nicht. Er fühlt sich ohnmächtig und vollkommen hilflos. Bei Aurum arsenicosum handelt es sich um ein Salz aus zwei Elementen rechts der Mitte, die thematisch nicht allzu weit entfernt sind: In beiden Fällen geht es um die Stellung im Arbeitsleben. Durch die Kombination wird klar, dass der Betreffende nicht nur um seine Verantwortung und seine Machtposition bangen muss, sondern auch um die materielle Sicherheit, die mit dem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes zwangsläufig einhergeht. Typisch ist die große Angst und Unruhe, mit der der Aur-ar.-Mensch diesen Prozess begleitet. Fazit Bei der Beschreibung der einzelnen Salze wurde bewusst auf ein detailliertes Arzneimittelbild verzichtet. Es geht nicht darum, die jeweiligen Symptome der Mittel darzustellen, sondern die Idee der Elemente und ihrer Verbindungen in Bezug zu den Themen der Reihen und Spalten des Periodensystems herauszuarbeiten. Jan Scholten und Rajan Sankaran haben hier wertvolle Pionierarbeit geleistet. Literatur: Joshi, Bhawisha: Homöopathie und die Struktur des Periodensystems. Narayana Verlag. Kandern, 2010 Sankaran, Rajan: Struktur. Erfahrungen mit dem Mineralreich, Bd. 1 und 2. Homeopathic Medical Publishers. Mumbai, 2009 (1) Scholten, Jan: Homöopathie und Minerale. Utrecht, 1993
Junge, traurige Frau im Büro, die ein Problem hat.
von von Dorit Zimmermann 1. September 2025
Wie Glück oder Freude ist auch der Schmerz fester Bestandteil unseres Lebens. Chronische Schmerzen sind allerdings schwer zu ertragen, sie machen uns hilflos und ohnmächtig. Die Homöopathie kann hier unterstützend eingesetzt werden. ((BU))
trauriger kleiner Junge, Stress und Erschöpfung der Kinder
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Bei ADHS ist die Reizschwelle herabgesetzt.
Sommergrippe
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Jeder Infekt stärkt die körpereigene Abwehr.